Star-Autor Gisbert Haefs in den Kliniken Wied

Gisbert Haefs

KULTUR IN DEN KLINIKEN WIED - LESUNG

Gerrit Mies, der singende Ergotherapeut von Wied spielte mit seiner Gitarre auf und brachte die interessierten Patienten in Stimmung. Dann stellte sich Herr Haefs vor. In Ermangelung an technischen und mathematischen Talenten habe er eine schriftstellerische und übersetzende Tätigkeit aufgenommen. Bescheiden bemerkte er, dass er damit sogar eine Familie „unterhalten“ konnte.

Wir müssen hier darauf hinweisen, dass Herr Haefs ein anerkannter Übersetzer ist. Er hat die Werke von Kipling („Das Dschungelbuch“) aus dem Englischen und diejenigen von Luis Borges aus dem Spanischen übersetzt. Auch im französischen Sprachraum soll er sich bestens auskennen. Sein letzter Coup ist die Gesamtübersetzung aller Songs des (Nobelpreisträgers) Bob Dylan. 
Die Übersetzung einiger Texte des Südamerikaners brachte ihm die Bekanntheit und die Anerkennung, die ihn heute noch ernähre, berichtet Herr Haefs. Begeistert habe er an mehreren Ausgaben des Nobelpreisträgers Kipling gearbeitet und legt uns Zuhörenden die Lektüre seiner Geschichten nahe. Sie handeln von den einfachen Leuten und den alltäglichen Dramen des Lebens, treten somit aus dem Anspruch einer „Hochliteratur“ heraus. Kipling sei heute noch so aktuell wie zur Zeit der Entstehung der Texte vor fast hundert Jahren.

Herr Haefs hat schreibend seine eigene Kriminalfigur entwickelt, den Privatermittler Matzbach. Diese Figur stellt sich gegen alle Konventionen und erobert als Anti – Held (dick, gefräßig, bequem, vermögend) leichtherzig die Sympathien der Lesenden. Matzbach, unübersehbar mit dem Flair der achtziger Jahre behaftet, lässt sich durch konventionelles Denken nicht aus der Ruhe bringen. Er hat seinen eigenen Kopf und geht ungewohnte Wege. Die Suche nach der Lösung kann sich dann über 150 Seiten hinziehen, wobei die Lesenden durchaus unterhaltsam und mit versteckter Ironie an der Nase herum und zum dramatischen, finalen „Happy – End“ geführt werden. Der Sprachwitz des Autors fordert und fördert die zeitgeschichtlichen Kenntnisse seiner LeserInnen. Die sehr genau durchkalkulierten und recherchierten Geschichten motivieren zu einer interessierten Aufnahmebereitschaft. Der Lohn besteht in einer ungewöhnlichen Leseerfahrung, der Begegnung mit fremden Charakteren und einer Unterhaltung auf hohem literarischem Niveau.

Die Bereitschaft des Wieder und Steimeler Publikums, sich dieser Lust beim Zuhören zu stellen, stieg mit Dauer der Veranstaltung. Dieser Start des neuen Labels „Kultur in Kliniken Wied“ hat gezeigt, dass Die Literatur für Patienten attraktiv sein kann und ein Element ihrer Reha – Erfahrung. Herr Haefs hat diese Idee so zusammengefasst: In den Büchern begegnen wir Menschen, denen wir sonst nie begegnen würden, wir machen Erfahrungen, die wir oft gerne vermeiden wollen und wir nehmen Teil an Lösungen, die uns gerne überraschen dürfen. Lesen ist ein unersetzlicher Kulturschatz.

Bild und Text von M. Kruppa, Dipl. Sozialpädagoge Kliniken Wied 

Ort: Kliniken Wied

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